Allianz startet KI-Offensive – Sprachbot „Eric“ als Vorbote eines digitalen Umbruchs
Mit Eric beginnt die Allianz den Umbau zum Tech-Konzern
Ab August geht „Eric“ live – ein KI-basierter Sprachassistent, der für Allianz Partners Pannenhilfe organisiert, empathisch kommuniziert und theoretisch hunderte Anfragen parallel bearbeitet. Entwickelt vom Münchner Versicherungskonzern, soll Eric in Deutschland und Frankreich eingeführt und bald in weiteren Märkten ausgerollt werden. Doch hinter dem sympathischen Callcenter-Bot steckt mehr: Für Konzernchef Oliver Bäte ist Eric der erste greifbare Beweis dafür, dass die Allianz nicht länger Versicherer allein, sondern künftig Technologieunternehmen sein will – mit Plattformstrategien à la Amazon statt Axa. Die Initiative „Connected Platforms“ vereint dafür Allianz Partners, Allianz Direct und das Fintech Solvd. Das Ziel: Prozesse skalieren, Daten intelligent verknüpfen und Einsparungen im Milliardenbereich generieren – etwa durch halbierte Schaden-Kosten-Quoten und automatisierte Abläufe wie die KI-gesteuerte Regulierung einfacher Kfz-Schäden.
Von der Vision zur Plattform: Allianz investiert Milliarden in KI-Infrastruktur
Der Aufbau der konzernweiten KI-Fabrik soll greifbare Ergebnisse liefern – schnell. Laut Vorständin Sirma Boshnakova liegt die angestrebte Amortisationszeit für aktuelle KI-Projekte zwischen 14 und 18 Monaten. Die Plattformstrategie soll nicht nur Pannenhilfe revolutionieren, sondern auch Gesundheitsdaten auslesen, Partnerwerkstätten koordinieren oder Arzttermine im Ausland vermitteln. Im Zentrum steht die App „Allyz“ – eine Art digitale Kommandozentrale für das Kundenleben. KI soll den Kundenservice intuitiver machen, die Bearbeitung beschleunigen und gleichzeitig Versicherte rund um die Uhr begleiten – ohne menschliche Eingriffe, außer wenn der „Human Touch“ nötig ist. Doch auch Skepsis bleibt: Verbraucherschützer warnen vor intransparenter Preiskalkulation durch Algorithmen. Und BWL-Professor Gregor Weiß sieht in Datenschutz und veralteten IT-Strukturen strukturelle Hürden, die einen echten Tech-Konzernstatus noch in weiter Ferne rücken lassen.
Zwischen Aufbruch und Realität: Wird Allianz der Amazon der Assekuranz?
Trotz Milliardeninvestitionen und ambitionierter Plattformvisionen steht der Beweis noch aus: Reicht KI allein, um aus einem 135 Jahre alten Versicherungsriesen einen Tech-Vorreiter zu formen? Bäte bleibt überzeugt – Analysten wie Andreas Thomae (Deka Invest) sehen immerhin Potenzial: Eine J-Kurve, bei der die Kosten vorerst steigen, sich aber langfristig Effizienzgewinne und höhere Bewertungen einstellen. Doch der Weg ist steinig. Die Blockchain-Initiative B3i, einst als Pionierprojekt gefeiert, scheiterte trotz technischer Innovation. Auch regulatorisch bleibt der Spielraum begrenzt. Doch wer den Schaden regulieren kann, bevor der Kunde überhaupt „Problem“ sagt – der könnte tatsächlich das nächste Kapitel der Assekuranz schreiben. Noch allerdings spricht der Börsenwert eine andere Sprache: Allianz wird mit dem 14-fachen Gewinn bewertet, Amazon mit dem 36-fachen. Bleibt die Frage, wer hier wen einholen wird – oder ob die KI es schon längst weiß.
