Der neue Marktausblick 2025 des Analysehauses Assekurata liefert einen nüchternen, aber aufschlussreichen Blick auf die wirtschaftliche Verfassung deutscher Lebensversicherer: Die Erträge haben sich nach den Jahren der Niedrigzinsphase erholt – nicht zuletzt dank der frei werdenden Mittel aus der Zinszusatzreserve (ZZR), die zum Bilanzstichtag 2024 noch 84 Milliarden Euro betrug. Zwar ist das ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Rekordwert von 96 Milliarden Euro im Jahr 2021, doch diese Gelder fließen den Versicherten in Form höherer Überschüsse zu. So liegt die laufende Verzinsung bei neuen klassischen Rentenversicherungen aktuell bei 2,52 Prozent (Vorjahr: 2,46 Prozent). Doch der Zinssegen hat Schatten:
Rund 80 Milliarden Euro stille Lasten auf den Kapitalanlagen drücken auf die Bilanz – eine Folge der nun gestiegenen Zinsen, die langlaufende festverzinsliche Wertpapiere im Bestand abwerten. „Diese stillen Lasten mindern zwar nicht direkt das Ergebnis, schränken aber die Flexibilität bei der Neuanlage massiv ein“, erklärt Lars Heermann, Analysechef bei Assekurata.
Mehr Rohüberschüsse, stabile Solvenz – aber schrumpfende Vertragszahlen
Finanziell geht es trotzdem aufwärts: Die Rohüberschüsse kletterten im Marktdurchschnitt auf über 17 Prozent und könnten laut Assekurata bis 2027 auf 20 Prozent steigen. Auch die Solvenzquoten zeigen sich robust – bei durchschnittlich 300 Prozent ist das Risikopolster solide. Wachstumsmotor ist jedoch fast ausschließlich ein Platzhirsch: Die Allianz allein stemmt mit 2,5 Milliarden Euro nahezu 90 Prozent des gesamten Beitragszuwachses in der Branche, die insgesamt um 3,1 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro wuchs. Der Löwenanteil stammt aus Einmalbeiträgen (+10,6 Prozent), während die laufenden Prämien nahezu stagnieren (+0,3 Prozent). Gleichzeitig sinkt die Zahl der Verträge: Ende 2024 zählte man nur noch 80,3 Millionen Policen – ein Minus von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Heermann warnt: „Viele Altverträge stehen vor der Auszahlung – das wird die Branche in den kommenden Jahren fordern.“
Chancen im Biometrie-Geschäft – und ein Appell an die Politik
Wachstumsfantasie gibt es dennoch: Vor allem die Biometrieprodukte – etwa Berufsunfähigkeitsversicherungen – bleiben starke Vertriebssäulen. Doch politische Unsicherheit bremst das Neugeschäft. Reiner Will, Geschäftsführer von Assekurata, mahnt: Die schwarz-rote Bundesregierung müsse die Reform der geförderten Altersvorsorge zügig wieder aufnehmen und tragfähige Konzepte für eine kapitalgedeckte Zusatzvorsorge entwickeln. „Auch wenn geopolitische Krisen derzeit im Fokus stehen, darf die Politik die demografische Realität nicht weiter verdrängen“, so Will. Die Botschaft ist klar: Zwischen dem Druck der Märkte und dem Warten auf politische Impulse bleibt wenig Spielraum – die Zeit drängt.
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