Berufsunfähigkeit: Warum Großeltern besser vorsorgen als verschenken

Zwischen Risiko und Realität: Wenn Großeltern BU-Vorsorge schenken
Wolfgang Stenner kennt das Leben in all seinen Brüchen. Jahrzehntelang war er als Landarzt tätig, hat Menschen begleitet, die durch Krankheit aus dem Beruf gerissen wurden – oder gar nie einen ausüben konnten. Als seine erste Enkelin geboren wurde, zog er eine klare Konsequenz: keine Spielzeuge, sondern Schutz. Heute hat er sechs Enkelkinder – und für jedes eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abgeschlossen. Rund 1.000 Euro überweist er dafür jährlich. Was auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt, trifft einen empfindlichen Nerv im deutschen Versicherungssystem: Laut Deutscher Aktuarvereinigung wird jeder vierte Erwerbstätige im Lauf seines Lebens berufsunfähig. Trotzdem ist die BU hierzulande kein Selbstläufer – sie ist teuer, kompliziert, und wer gesundheitliche Makel mitbringt, bekommt oft gar keinen Vertrag oder nur mit Aufschlägen.

Früh abschließen spart viel: Warum Schüler besser fahren als Azubis
Der Zeitpunkt macht den Unterschied: Während Erwachsene mit handwerklichem Beruf gerne mehrere Hundert Euro BU-Beitrag im Monat zahlen, kommen Kinder glimpflicher davon. Bereits ab einem Alter von sechs Jahren bieten viele Versicherer Schüler-Policen an – für etwa 300 bis 400 Euro jährlich. „Ein Fliesenleger, der sich erst mit 25 absichert, zahlt das pro Monat“, sagt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Entscheidend dabei: Der Vertrag sollte keine Nachmeldepflicht bei Berufswechsel und keine neue Gesundheitsprüfung verlangen. Wer also später statt Maurer Programmierer wird, zahlt nicht automatisch mehr. Gymnasiasten haben ohnehin bessere Startkonditionen als Hauptschüler – statistisch mit Blick auf spätere Berufsrisiken begründet. Und: Die BU springt bei Kindern im besten Fall sogar schon ein, wenn diese wegen Krankheit nicht mehr zur Schule gehen können – inklusive finanzieller Unterstützung für beruflich eingeschränkte Eltern.

Tarif-Fallen und Zukunftstauglichkeit: Was beim BU-Abschluss zählt
Auch bei BU-Policen gilt: Mitwachsen ist Pflicht. Eine Nachversicherungsgarantie ermöglicht es, die versicherte Rente ohne neue Gesundheitsprüfung aufzustocken – etwa bei Familiengründung oder steigendem Einkommen. Wer auf Dynamik setzt, gleicht zusätzlich die Inflation aus. „Aber Vorsicht bei Laufzeiten“, mahnt Grieble. Manche Policen enden mit 60 – was Beiträge senkt, aber auch Risiken offenlässt. Wer kein größeres Erbe plant, sollte bis 67 absichern – idealerweise mit Verlängerungsoption. Stenners Enkelin ist inzwischen volljährig, er zahlt weiter: „Zumindest bis sie ihre Ausbildung abgeschlossen hat.“ Geschenke? Gibt’s trotzdem. Aber die wirklich wertvolle Gabe ist das stille Sicherheitsnetz, das im Zweifel Leben stabilisiert.

Quelle

In Kooperation mit der
INTER Versicherungsgruppe