Zwischen Hype und Risiko: Warum Finfluencer junge Anleger gefährden – und was dagegen hilft
Laut BaFin haben sich bereits 50 Prozent der 18- bis 45-Jährigen mindestens einmal über Finfluencer informiert. Ein beunruhigender Trend, sagt Honorarberater Thomas Beutler im Gespräch mit procontra. Auf seinem YouTube-Kanal „Investiert in Wissen“ enttarnt er gezielt dubiose Influencer und deren Strategien. Der Grund für den Erfolg dieser Selbstdarsteller?
„Es geht um mehr als Zahlen – es geht um Illusionen“, so Beutler. Influencer mit Masken, luxuriösem Lebensstil und vermeintlichen „Insidertipps“ schaffen Projektionsflächen für junge Menschen, die zwischen Selbstoptimierung und wirtschaftlicher Unsicherheit nach Orientierung suchen. Die emotionale Manipulation sei dabei subtil – etwa durch die Suggestion von Exklusivität, Zeitdruck oder durch bewusst inszenierte Nähe via Zoom-Sessions. Kritische Stimmen? Werden stummgeschaltet. Authentizität? Meist nur Fassade. Die Folge: Vertrauen wird zur Ware – und das Risiko landet beim Verbraucher.
Geld oder Glaubwürdigkeit? Wie emotionale Trigger und fehlende Transparenz den Markt vergiften
Laut Beutler spielen Finfluencer gezielt mit Gier und Hoffnung. Versprechen wie „schnell reich ohne Risiko“ oder „nur noch ein Klick bis zum neuen Leben“ würden gezielt eingesetzt, um Nutzer in kostenpflichtige Coaching-Fallen zu locken. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen persönlicher Meinung und bezahlter Werbung – ein Problem, das laut Beutler dringend stärker reguliert werden müsse. Sein Vorschlag: klare Kennzeichnungspflicht für finanzielle Verflechtungen, Sanktionen bei Verstößen – ohne jedoch die gesamte Influencer-Szene zu verbieten. Ein totales Empfehlungsverbot, wie es die Grünen vorgeschlagen haben, hält er hingegen für kontraproduktiv: „Die Leute wollen konkrete Antworten, nicht nur Theorie“, so der Berater. Statt Bevormundung fordert er Aufklärung – durch schulische Finanzbildung, die über Produktwissen hinausgeht: „Junge Menschen müssen verstehen, wie psychologische Verkaufstricks im Netz funktionieren. Nur so lassen sich langfristig Fehler vermeiden.“
Zwischen Verantwortung und Regulierung: Wie der Markt sich selbst retten könnte
Was bleibt, ist ein diffuses Spannungsfeld: Auf der einen Seite eine Generation, die auf der Suche nach finanzieller Unabhängigkeit ist – auf der anderen Seite Akteure, die diese Sehnsucht in bare Münze verwandeln. Beutler sieht seine Rolle als Gegenpol – nicht als Verbieter, sondern als Aufklärer. Seine Motivation? Die wachsende Verunsicherung seiner Kunden, die zunehmend mit zweifelhaften Ratschlägen konfrontiert werden. Die Lösung sieht er nicht in Totalverboten, sondern im Dreiklang aus Transparenz, Medienkompetenz und professioneller Beratung. Denn eines steht für ihn fest: Wer Wissen investiert, schützt nicht nur sein Kapital – sondern auch seine Entscheidungsfreiheit.
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