Deutschland erlebt einen regelrechten Boom bei E-Scootern: Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) waren 2023 rund 990.000 E-Scooter auf den Straßen unterwegs – ein Anstieg um fast 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders stark wuchs die Zahl privater Scooter, die um 37 Prozent auf 780.000 anstieg. Dagegen legten Leih-Scooter nur um 9 Prozent auf 210.000 zu. „E-Scooter haben sich in kurzer Zeit etabliert und dienen vielen Menschen als Alternative zu Auto, Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln“, erklärt Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des GDV.
Unfallstatistik: Leih-Scooter verursachen überproportional viele Schäden
Während private Scooter-Fahrer seltener in Unfälle verwickelt sind, verursachen Leih-Scooter überproportional viele Schäden. Obwohl sie nur rund 20 Prozent des Bestands ausmachen, sind sie laut GDV für 40 Prozent aller E-Scooter-Schäden in der KFZ-Haftpflichtversicherung verantwortlich. Im Jahr 2023 registrierten Versicherer knapp 5.000 Schäden, für die rund 26 Millionen Euro gezahlt wurden. Die Unfallhäufigkeit insgesamt nahm jedoch leicht ab: 2022 kamen auf 100 Leih-Scooter 1,2 Unfälle, 2023 waren es 0,9. Zum Vergleich: Bei privaten Scootern lag die Quote nur bei 0,4 Unfällen pro 100 Fahrzeuge.
Regulierungsbedarf: Versicherer fordern klare Regeln für Gehwege
Ein zentrales Problem bleibt die Nutzung von Gehwegen durch Leih-Scooter-Fahrer, die oft jünger und unerfahrener sind als Besitzer eigener Scooter. Während Vielfahrer mit privaten Scootern meist Helm tragen und auf Radwegen oder der Straße unterwegs sind, nutzen viele Leih-Scooter-Nutzer die Fahrzeuge in der Freizeit und missachten Verbote auf Gehwegen. Die Versicherungsbranche fordert daher mehr und bessere Radwege, um Fußgänger besser zu schützen. „Es braucht konsequente Regelungen und eine striktere Durchsetzung der Verkehrsregeln durch Polizei und Ordnungsämter“, mahnt Käfer-Rohrbach. Ein Entwurf des Verkehrsministeriums sieht hingegen vor, E-Scooter offiziell auf Gehwegen zuzulassen – eine Entscheidung, die auf Widerstand bei Versicherern und Sicherheitsexperten stößt.
