Fitch bestätigt ‘A+’ Finanzstärkerating der LV 1871; Ausblick negativ

PRESSEMITTEILUNG – Fitch Ratings, London/Frankfurt, 23. September 2016: Fitch Ratings hat das ‘A+’-Finanzstärkerating (Insurer Financial Strength, IFS-Rating) der Lebensversicherung von 1871 a. G. München (LV 1871) bestätigt. Der Ausblick des Ratings ist weiter negativ.

Der negative Ausblick spiegelt die Unsicherheit wider, ob die LV 1871 ihre derzeitige Kapitalausstattung trotz des aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen gestiegenen ALM-Risikos nachhaltig beibehalten kann und ob die LV 1871 weiter Wiederanlagerenditen erzielen kann, die über dem für die Garantien der Passiva benötigten Zins liegen.

SCHLÜSSELFAKTOREN DES RATINGS

Das Rating reflektiert die starke Marktposition der LV 1871 in der Berufsunfähigkeitsversicherung sowie die starke Kapitalausstattung. Fitchs Sicht auf die Kapitalausstattung stützt sich sowohl auf die aufsichtsrechtliche Solvenzquote als auch auf die risikobasierte Analyse der Agentur. Dem stehen die kleine Größe des Unternehmens (konsolidierte Bilanzsumme weniger als zehn Milliarden Euro), die sich einschränkend auf die Diversifikation auswirkt und das durch die niedrigen Wiederanlagezinsen und die Aufwendungen für die Zinszusatzreserve verursachte höhere ALM-Risiko gegenüber, welches den negativen Ausblick antreibt.

Die LV 1871 hält eine Top 10-Stellung im Geschäft mit der Berufsunfähigkeitsversicherung inne. Wegen des hohen Anteils an Berufsunfähigkeitsversicherung in ihren Büchern, ist die LV 1871 in einer guten Ausgangslage, die Folgen aus den niedrigen Zinsen abzumildern. Denn die Risikoerträge der LV 1871 aus dem Berufsunfähigkeitsgeschäft würden die Bedienung des Rechnungszinses des traditionellen Geschäfts unterstützen, was Fitch als positiv ansieht.

Auf Basis des Jahresabschlusses 2015 erzielte die LV 1871 im agentureigenen Kapitalmodell Prism FBM ein „extrem starkes“ Ergebnis (2014: „sehr stark“). Fitch erwartet, dass die LV 1871 dieses Ergebnis zum Jahresende 2016 bestätigt. Die aufsichtsrechtliche Solvenzquote der LV 1871-Gruppe lag zum Jahresende 2015 bei 212% (2014: 176%). Wir erwarten, dass die LV 1871 eine starke Solvency II–Quote von mehr als 200% ohne Anwendung von Übergangsmaßnahmen zum Jahresende 2016 erzielt sowie eine stabile Entwicklung für 2017, vorausgesetzt dass die Zinsen auf dem jetzigen Niveau bleiben.

Im ersten Halbjahr 2016 lag der Wiederanlagezins auf festverzinsliche Wertpapiere über dem zur Bedienung der Garantien benötigten Zins, und wir erwarten, dass dies auch für das gesamte Geschäftsjahr eintreten wird. Außerdem erwarten wir, dass die LV 1871 eine angemessene Marge zwischen ihrem Bestandszins im festverzinslichen Wertpapierbestand und dem benötigten Zins zur Bedienung der Garantien beibehalten wird. Allerdings könnte die Marge weiter unter Druck geraten, sollten die Zinsen weiter fallen.

Fitch geht davon aus, dass die Fähigkeit der LV 1871, weitere Sicherheitsmittel aufzubauen, aufgrund der Aufwendungen für die Zinszusatzreserve und der unter den niedrigen Zinsen leidenden Ertragslage eingeschränkt ist. Allerdings lag das Wachstum der Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) 2015 über dem der Bilanzsumme, und die Kapitalausstattung wurde ausgebaut.

Im Vorjahr lag der Wiederanlagezins der LV 1871 über dem für die Bedienung der Garantien benötigten Zins. Die LV 1871 erzielte eine stabile Nettoverzinsung von 4,5%, die dem Marktschnitt der deutschen Lebensversicherer entsprach. Wir erwarten für das laufende Geschäftsjahr eine stabile Nettoverzinsung.

Die LV 1871 ist ein in München ansässiger Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit. Sie hält 100% an den Versicherern LV 1871 Private Assurance AG, LV 1871 Pensionsfonds AG, Delta Direkt Lebensversicherung AG und TRIAS Versicherung AG. Die konsolidierte Gruppe hatte zum Jahresende 2015 eine Bilanzsumme von 6,9 Mrd. Euro (2014: 6,5 Mrd. Euro) und erzielte Beitragseinnahmen von 837 Mio. Euro (2014: 829 Mio. Euro).

RATING SENSITIVITÄTEN

Schlüsselfaktoren, die zu einer Herabstufung des Ratings führen könnten, umfassen ein voraussichtlich anhaltend nur noch „sehr starkes“ Resultat im Prism FBM Kapitalmodell, unsere Erwartung, dass die Wiederanlagerendite bei den festverzinslichen Wertpapieren wiederholt unter dem für die auf die Passiva gewährten Garantien benötigten Zins liegen wird sowie eine deutlich verschlechterte Wettbewerbsposition in der Berufsunfähigkeitsversicherung.

Der Ausblick des Ratings könnte stabil werden, wenn die LV 1871 weiter eine Wiederanlagerendite über dem Passivzins erzielt und das ‚extrem starke‘ Ergebnis in unserem Kapitalmodell Prism FBM nachhaltig beibehält.