TK-Bewegungsstudie 2016: Das halbe Land ist stillgelegt

PRESSEMITTEILUNG – Berlin, 13. April 2016. Es geht ein Riss durch die Republik, der das Land mittig in Bewegte und Unbewegte teilt. Das zeigt die Studie „Beweg Dich, Deutschland!“ 2016, die die Techniker Krankenkasse (TK) heute in Berlin vorgestellt hat. Danach ist die Hälfte der Menschen in Deutschland sportlich aktiv – in unterschiedlicher Intensität. Die andere Hälfte bezeichnet sich selbst als Sportmuffel oder Antisportler. Und: Wer sich nicht für Sport begeistern kann, bewegt sich auch im Alltag weniger, erledigt auch kurze Wege mit dem Auto, nimmt den Fahrstuhl statt der Treppe und geht weniger ins Freie.

Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK: „Dank der Digitalisierung können wir uns viele Wege sparen. Dies führt aber auch dazu, dass der Aktionsradius vieler Menschen immer kleiner wird. Mehr als jeder Dritte bewegt sich im Alltag weniger als eine halbe Stunde. Ein weiteres Drittel bleibt unter einer Stunde. Das ist definitiv zu wenig.“

Laut der Bewegungsstudie sitzen die Menschen in Deutschland ihren Alltag buchstäblich aus. Peter Wendt, bei der TK für die Umfragen zuständig: „Vier von zehn Befragten arbeiten fast ausschließlich im Sitzen. Und obwohl sich gut die Hälfte im Alltag gern mehr bewegen würde, verbringen die Menschen auch in ihrer Freizeit durchschnittlich gut drei Stunden täglich sitzend.“

Sportpsychologe Prof. Dr. Jan Mayer von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement, der unter anderem schon die Fußballprofis der TSG 1899 Hoffenheim betreut hat: „Den Allermeisten ist schon klar, dass ihnen Sport gut täte. Laut den Befragungsergebnissen fehlt es aber jedem Zweiten an Motivation. Der Anreiz, ein langes gesundes Leben zu führen, scheint abstrakter als der Feierabend, der gerade direkt vor einem liegt und gern auf der Couch verbracht werden möchte.“ Die Studiendaten belegen das: Mehr als 40 Prozent der Befragten, bei den jungen Erwachsenen sogar 55 Prozent, sagen, dass sie den Feierabend am liebsten auf der Couch verbringen.

Wichtig sei deshalb, „die innere Software so zu programmieren, dass man aktiv wird“, so Mayer. „Jede Aufgabe fällt leichter, wenn man für sich einen Sinn darin erkennt“, so der Sportpsychologe. Die Motive können ganz unterschiedlich sein: Gesundheit, eine gute Figur oder Ausgleich zum stressigen Alltag. Fast sechs von zehn Befragten würden aktiv werden, um gesundheitliche Beschwerden zu vermeiden. Auch finanzielle Unterstützung von der Krankenkasse (33 Prozent) oder dem Arbeitgeber (21 Prozent), bessere Karriereaussichten (15 Prozent) sowie Kritik des Partners (28 Prozent) könnten Anreize sein. Aber: 15 Prozent der Teilnehmer sagen, dass sie nichts davon motivieren könnte, sportlich aktiv zu werden.

Und das hat Konsequenzen für die Gesundheit: Eine Analyse der Fehlzeiten, die die TK ebenfalls heute vorstellte, zeigt, dass sich der gesellschaftliche Stillstand bereits auf die Gesundheit auswirkt: 2015 waren die TK-versicherten Erwerbspersonen durchschnittlich 15,4 Tage krankgeschrieben. Das entspricht einem Krankenstand von 4,23 Prozent, dem höchsten seit Beginn der TK-Gesundheitsberichterstattung. Mit drei Tagen pro Kopf entfällt der größte Anteil dabei auf Krankheiten des Bewegungsapparats. „Dieser Begriff scheint angesichts der Zahlen jedoch etwas überholt“, so der TK-Chef. „Zivilisationskrankheiten wie Rückenbeschwerden, Typ2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Beschwerden nehmen zu. Schon bei den 18- bis 39-Jährigen gibt jeder Siebte an, aufgrund einer chronischen Erkrankung in regelmäßiger Behandlung zu sein.“ Baas forderte deshalb einen ehrlichen Diskurs über die gesellschaftlichen Folgen: „Es steht uns als Krankenkasse nicht zu, jemandem zu sagen, was er zu tun und zu lassen hat. Aber die Zunahme lebensstilbedingter Krankheiten hat Folgen für das Gesundheitswesen und die Gesellschaft, die es finanziert. Und es hat Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Unternehmen, die die steigenden Krankenstände und die damit verbundenen Kosten ebenfalls mitfinanzieren müssen. Darüber müssen wir sprechen.“