Sprechstunde beim @AssekuranzDoc: Der Angriff der Betreuer aus dem Web (I)

Sie sind jetzt überall. Apps zur Verwaltung von Versicherungen auf dem Smartphone oder dem Tablet sind auf dem Vormarsch. Und die Betreiber dieser Apps machen aus dem Angriff auf die herkömmlichen Versicherungsvermittler kein Geheimnis. Die sogenannten „Offline-Vermittlern“ brauche kein Mensch mehr.

Schreiben Sie noch Briefe oder Mails? Oder telefonieren Sie noch? Dann gehören Sie schon fast zu den Exoten. Denn viele junge Menschen machen das inzwischen gar nicht mehr. Briefe und Mails sind durch Postings über soziale Netzwerke oder diverse Messanger abgelöst. Es ist ja auch unterhaltsamer, wenn mit geschriebenen Zeilen auch Videos, Fotos oder auch Sprachnachrichten bequem mitgesendet werden können.

Kommunikationswege der neuen Art

Das persönliche Telefonat scheint bei den Teens und Twens auszusterben. Postings sind angesagt. Die direkte Kommunikation geht zurück. Es ist ja auch einfacher für die Schulklasse, die Studiengruppe oder auch die Familie eine Gruppe im x-beliebigen Messanger einzurichten und darüber Informationen oder auch Späßchen gemeinsam auszutauschen

Und wenn dann in der aktuellen Vorferienzeit noch eine Klassenfahrt des Kindes ansteht, braucht der betreuende Lehrer nur noch einmal zu Posten, dass alles OK ist und alle Eltern wissen Bescheid. Das ist bequem, macht Spaß und passt zu den neuen Formen der Kommunikation. Immer und jederzeit über das Smartphone informiert sein ist einfach „In“.

Und genau diese Veränderungen wirken sich auch auf die Branche der Versicherungs- und Finanzdienstleistungen aus. Vor allem junge Kunden kennen sich mit den Möglichkeiten der Smartphones und des Internets gut aus und haben positive Erfahrungen beim Streaming von Musik oder der Onlineauswahl von Produkten. Das soll jetzt auch für die Betreuung von Versicherungsverträgen genutzt werden.

Apps für die Verwaltung von Policen auf dem Vormarsch

In der Recherche für diese Kolumne sind mir die Apps sowie Desktop- Programme von rund ein Dutzend Anbietern aufgefallen, die nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren. Kunden können die vorhandenen Policen zu Versicherungen einfach per PDF-Datei oder als Foto hochgeladen. Diese werden dann aufgearbeitet, nach Sparten angezeigt und sind für den Kunden somit jederzeit mobil verfügbar. Soweit so gut. Das können einige Apps der Versicherer auch.

Doch das Geschäftsmodell der App-Anbieter ist nicht nur auf die „Aufbewahrung“ von Policen im Onlinebereich ausgerichtet. Das Geschäftsmodell ist natürlich auf Ertrag orientiert. Und Ertrag wird nur generiert, wenn man mit den Daten und bestehenden Verträgen der Kunden Geld verdient.

Über die von den Versicherern ausgezahlte Bestandscourtagen („Pflegegeld“) und die Möglichkeiten personifizierter Werbung soll das Geschäftsmodell pofitabel werden. Hinzu kommen noch die Einkünfte aus dem Wechsel von Policen von einem zum anderen Versicherer – genannt „Optimierung“ oder „Geld sparen“ für den Kunden.

Registrierung in 2 Minuten, Tarifwechsel auf einen Klick

Alle untersuchten Applikationen bieten den Kunden eine schnelle Registrierung an. Dazu kommt ein einfacher Upload der Versicherungs-unterlagen. Wenn diese Unterlagen beim Kunden nicht sofort verfügbar sind wird teilweise eine Abfrage bei den Versicherungen angeboten.

Bestandteil der Registrierung auf einen Klick ist das Einverständnis zu einer „Supportvereinbarung“. Das Wort Maklervertrag wird bei einigen Anbietern damit sanft umschifft. Im Endeffekt geht es um eine Vollmacht des Kunden gegenüber dem Anbieter für die Optimierung des bestehenden Versicherungsschutzes.

Jugendlich flockig liest sich dies auf der Homepage vom Newcomer Clark.de wie folgt:

„Versicherungen, wie sie sein sollten. Einfach. Transparent. Fair. Alle Versicherungen übersichtlich online – Mehr Papier für Origamie… Wähle deine Versicherungen aus und wir organisieren alle Dokumente für dich. Es dauert nur 2 Minuten“.

Bei einem Anbieter aus der Schweiz, der jetzt auch im deutschen Markt aktiv ist, geht es verbal noch mehr zur Sache:

„Mach dich frei vom Versicherungschaos. Die Knip App übernimmt das komplette Management deiner Versicherungen! Du musst uns nur ein paar (!) Eckdaten nennen.“

Da bekanntlich die Verwaltung von Versicherungspolicen allein nicht genug Geld einbringt, wird das „Bäumchen-wechsel-dich-Spiel“ eingeläutet:

„Wir finden für Dich die günstigeren Tarife und deinen Tarifwechsel erledigst Du ganz einfach mit einem Klick.“

Keine Kosten und Services für Best-User

In den hier beschriebenen Apps sind die angebotenen Leistungen für die User kostenlos. Natürlich will man für effiziente Prozesse möglichst viele Versicherungsverträge von den Kunden betreuen. Damit will man gleichzeitig auch die lästige Konkurrenz anderer Makler oder der Vertreter von Versicherungen ausschalten.

Myfeelix.de hat sich dafür ein „Sterne-Programm“ ausgedacht. Wenige Verträge des Kunden in der App bedeutet dann auch weniger Service. Wer aber ab sechs Finanzverträge in die App einbringt, den erwarten erweiterte Leistungen für Anfragen, ein 2. Meinung-Vertragscheck und Nachlässe bei Abschlussgebühren.

Da man aber der Generation Y (die „Internet-Generation“) oder Z (nach 2000 geboren) zwar eine hohe Affinität in Fragen der Online-Medien aber nicht in Sachen Finanzen und Versicherungen zuzutrauen scheint, werden weitere Emotionsverstärker bei der Werbung für das eigene Produkt ins Feld geführt. Das Bild des geldgierigen Vertreters, der immer nur nach Neuabschlüssen giert, wird bemüht.

Christopher Oster, Mitgründer der Wimdu GmbH, wird in einer Pressemeldung von Clark.de so zitiert, dass die meisten Verbraucher gar keine Ahnung davon hätten, welche zum Teil „horrenden“ Provisionen von ihren Beiträgen gezahlt würden.

„Deshalb zeigt Clark seinen Kunden die genaue Provisionshöhe in Euro und Cent an, sowohl bei bestehenden Verträgen mit Produktpartnern als auch bei Neuabschlüssen.“

Man kann gespannt sein, wie die Ankündigung zu regelmäßigen „Angeboten“ per Push-Mail bei der anvisierten Zielgruppe Berufseinsteiger ankommen wird:

„Die Versicherungsexperten von Clark machen die Kunden zudem fortlaufend auf günstigere Angebote aufmerksam, die mit wenigen Klicks zu Kosteneinsparungen führen.“

Angriff auf Versicherungsvermittler mit Ansage

Diplomatisch oder offen formuliert blasen die neuen App-Anbieter zum Sturm auf die herkömmlichen Vermittler. Unterstützung kommt von Verbraucherschützern mit dem Ruf nach mehr Transparenz sowie den Versicherern, die jede Möglichkeit der Kostensenkung zur Sicherung der Zukunft für das eigene Unternehmen nutzen werden.

Lesen Sie in der kommenden Woche hier weiter, wer sich hinter den neuen App-Anbieter versteckt, welche Probleme es beim Datenschutz gibt und wie Vermittler selbst mit einer eigenen App in die Offensive gehen können.

Fazit:

Apps und Online-Portale in Fragen Versicherungsoptimierung drängen zu einer Zeit auf den Markt, in der effiziente Beratung, Transparenz und die Senkung von Kosten wichtige Themen bei Versicherungen, Servicedienstleistern und auch Vermittlern sind.

Eine gewisse „Müdigkeit“ bei den Kunden zu Fragen der Vorsorge und Risikoabsicherung wird durch das neue Medium App positiv aufgelöst. Optisch gut gemachte Apps fördern das Interesse an Versicherung und Finanzen in neuer Weise.

Und diese Neugier der Kunden und den spielerischen Umgang mit den Apps gilt es auch von Vermittlern mit bisher noch herkömmlicher Arbeitsweise zu nutzen.

Gerne können unsere Leser bei Tagesbriefing.de mit mir persönlich zu diesen Themen während der John-Vermittlerfortbildung 2015 ins Gespräch kommen.


Dr. Peter Schmidt AssekuranzDocExperte Personenversicherungen und Unternehmensberater im Bereich Versicherungen, Vertriebe und Makler mit langjähriger Erfahrung als Führungskraft und Vorstand bei deutschen Versicherern und twittert als @AssekuranzDoc. Besuchen Sie auch seine Webseite und werden Sie Fan von Dr. Schmidt auf Facebook.