Sprechstunde beim @AssekuranzDoc: Nicht vergessen – Hochwasser!

Bilder die man nie vergisst. Im Mai und Juni 2013 standen ganze Landstriche unter Wasser. Häuser wurden zerstört. Schäden in Milliardenhöhe. Damit ist es Zeit gegen das Vergessen einige Gedanken aufs Papier zu bringen.

 Unvergessen sind die Bilder der 2013er Hochwasserkatastrophen an Elbe und Donau. Bilder aus dem Hubschrauber zeigten ganze Dörfer und Landschaften unter Wasser. Das waren auch für den nicht unmittelbar Betroffenen erschütternde Eindrücke. In wenigen Tagen von Ende Mai bis Anfang Juni fielen in Deutschland über 20 Billionen (!) Liter Wasser. Hunderttausende Menschen verloren ihr Hab und Gut oder mussten finanzielle Schäden in enormer Höhe verkraften.

Der GDV berichtete bereits einen Monat nach dem Hochwasser zu den Schäden Folgendes:

„Nach einer ersten Bilanz der Versicherungswirtschaft entstanden dadurch 180.000 versicherte Schäden in Höhe von fast 2 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Elbe-Flut 2002 verursachte 150.000 versicherte Schäden in Höhe von 1,8 Milliarden Euro.“

Erkenntnisse und Lehren zwei Jahre danach

Trotz der schlimmen Schäden konnte die Versicherungsbranche als positives Fazit festhalten, dass viele Menschen persönliche Lehren aus dem Hochwasser 2002 gezogen hatten. Damals stand die Dresdner Innenstadt unter Wasser. Zahlreiche Hausbesitzer, die noch die Möglichkeit hatten, versicherten sich nach diesem Ereignis gegen die finanziellen Folgen von Unwettern mit zusätzlichen Elementarpolicen.

Wie sehen aber die Erkenntnisse und Schlussfolgerungen bei den Versicherungen selbst aus? Viel Aufregung gab es bei Kunden in den ostdeutschen Bundesländern, als zahlreiche Wohngebäudeversicherungen aus DDR-Zeiten eine sogenannte „Änderungskündigung“ erhielten.

Ein Sprecher des Marktführers schloss damals einen Zusammenhang mit dem aktuellen Hochwasser mit Verweis auf die langfristige Kalkulation der Prämien aus und betonte, dass die Angebote für die betroffenen Kunden fair seien.

Ende April diesen Jahres trafen sich zahlreiche Schadenmanager der Versicherungsbranche in Leipzig, um erneut über Erkenntnisse aus den Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte zu diskutieren und über notwendige Empfehlungen und Aufgaben für die Prävention der Zukunft zu sprechen.

Langfristige Prävention als Herausforderung

Die Erfahrungen mit Hochwassermaßnahmen an Rhein, Mosel und Rhein zeigen sehr deutlich, was heute bei der Schadenvermeidung möglich ist. Aber – stationäre oder mobile Hochwassersperren lindern nur mögliche Schäden. Grundsätzliche Prävention ist eine Forderung an die Gesellschaft und an jeden einzelnen Bürger.

Analyseergebnisse des International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) in Zusammenarbeit mit der Wharton School of the University of Pennsylvania zeigen, dass viel persönliches Leid von Betroffenen aber auch die enormen materiellen Schäden durch eine wirksame Prävention reduziert werden kann.

Wissenschaftler sprechen von einem Verhältnis von 1 EUR zu 4 – 10 EUR. Das soll heißen, dass ein Euro für Präventionsmaßnahmen vier bis zehn Euro an möglichen Schadenzahlungen einsparen helfen kann.

Das globale Ziel des Kampfes gegen die weitere Erderwärmung durch die Ursache „Mensch“ steht demnach ganz oben auf der Tagesordnung. Wie schwer sich die Menschheit aber mit der Umsetzung ganz konkreter Maßnahmen tut wissen wir. Windenergie „Ja“ aber „Nein“ zu Stromtrassen vor der Haustür und so weiter und so fort.

Leistungsstarke und/ oder preiswerte Gebäudeversicherungen

Für Vermittler von Versicherungen dürfte eine Erfahrung aus den jüngsten Umweltkatastrophen zunächst darin bestehen zu prüfen, ob für Wohn-gebäude überhaupt und wenn dann welcher Versicherungsschutz möglich ist.

Noch immer sind nicht wenige Gebäude in Deutschland unversichert bzw. haben keinen ausreichenden Schutz für die finanziellen Folgen von Naturereignissen. Auch die Auswahl der Produkte am Markt fällt mit großer Sachkenntnis nicht leicht.

Im Ergebnis einer Marktstudie von INNOSYSTEMS unter der Marke INNO-RATA wurden 148 Tarife von 63 Versicherern am Markt unter-sucht. Die Anzahl der Anbieter dürfte noch deutlich höher sein. Die Autoren der Studie machen die Problematik, vor der Makler stehen, deutlich. Dazu gehören:

  • Die Leistungsstärke der Tarife ermitteln
  • Preis- Leistungsverhältnis für Kunden und Risiken abwägen
  • Erfassung von Entschädigungsgrenzen, Leistungsgestaltungen und Obliegenheiten als Leistungsvoraussetzungen
  • Den Aufwand an Beratungsintensität für leistungsschwächere Produkte haftungsseitig abgrenzen

In die Inno-Rata-Markstudie Wohngebäudeversicherungen wurden 269 Leistungsdetails aufgenommen, die nach versicherten Sachen sowie Frost- und Bruchschäden, versicherten Kosten, versicherten Gefahren und sonstige Parameter gegliedert wurden.

Besonders erwähnenswert ist aus meiner Sicht, dass man bei dem vorgelegten Rating nicht bei einer reinen Preisbetrachtung stehen geblieben ist sondern Preis und Leistung ins Verhältnis gesetzt hat.

Quadratmetermodell und neue Produktanbieter

Bei Neuversicherung von Gebäudeversicherungen oder Wechsel des Anbieters spielt ein weiteres Kriterium bei der Empfehlung eine größere Rolle – die Ermittlung des Versicherungswertes.

Zwei Drittel der Marktanbieter fordern dafür eine Ermittlung des Gebäude-versicherungswertes 1914 oder des Neupreises. Besonders ersterer ist kompliziert und erfordert oft einen dreiseitigen Wertermittlungsbogen.

Einfacher ist die Wertermittlung über die Quadratmeter Wohnfläche. Diese Methode unterstützt Versicherungsvermittler auch durch eine Reduzierung der Beratungshaftung in dem auf Grundlage der Quadratmeter alle relevanten Risiken versichert sind.

Vor allem makleraffine Anbieter oder auch neue Marktteilnehmer im Segment der Gebäudeversicherungen setzen auf vereinfachte Risikoermittlung über das Quadratmetermodell. Dazu gehört auch die Oberösterreichische Versicherung die Ende Juni 2015 eine neue Generation ihrer Tarife für die Wohngebäude bzw. Hausratsversicherung auf den deutschen Markt gebracht.

„Als größter Regionalversicherer in Österreich haben wir aufgrund unser vor allem im ländlichen Bereich hohen Dichte an versicherten Risiken in den letzten Jahren leider umfangreiche Erfahrungen mit Naturkatastrophen, sei es Hagel, Schneedruck oder zuletzt Hochwasser gemacht. Neben der Absicherung einer möglichst positiven Schadensquote, geht es uns bei unseren neuen Wohngebäudetarifen vor allem um eine risikogerechte Kalkulation im Sinne unserer deutschen Versicherungsnehmer“ bringt ein Unternehmenssprecher die Philosophie auf den Punkt.

Interessant ist es, wie ein Versicherer aus dem Nachbarland die Frage nach der Preisgestaltung für Gebäudeversicherungen bewertet:

„Unser spezieller Weg mit den neuen Tarifen „ZuHaus©“ und „ZuHaus© Premium“ ist eine differenzierte Berücksichtigung der regional unterschiedlichen Risiken und einer entsprechenden Preisgestaltung. Konkret: Dort wo das Risiko statistisch höher ist, muss auch der Tarifbeitrag höher sein. In Regionen, die im statistischen Durchschnitt weniger belastet sind, können wir die Gebäudeversicherungen sogar zu einem attraktiveren Preis als bisher anbieten. Dementsprechend hoffen wir auch auf viel Interesse der deutschen Makler.“

Fazit

Die Lehren der Gesellschaft als Ganzes nach dem Hochwasser 2013 sind vielerorts noch zu ziehen. Egoismen von einzelnen Beteiligten stehen Lösungen umfangreicheren Schutzmaßnahmen im Weg. Budgets für Präventionsmaßnahmen stehen oft noch in keinem Verhältnis zu dem, was getan werden muss.

Die Versicherer haben gute Analysen vorgelegt und ein ganzes Maß-nahmenpaket geschnürt um mit den gestiegenen Risiken für Wohn-gebäude in der Zukunft besser fertig zu werden. Risikogerechte Kalkulationen sind die entscheidende Grundlage für zukunftssichere und bezahlbare Produkte, die den Kunden helfen können, die finanziellen Folgen der Klimaveränderungen leichter zu tragen.

Versicherungsvermittler sollten diesen Weg der Versicherer konstruktiv begleiten und auch den Kunden auch die größeren Zusammenhänge zu erklären, warum sich die Gebäudeversicherungen und die dafür notwendigen Beiträge verändern müssen –

meint Ihr AssekuranzDoc.


Dr. Peter Schmidt AssekuranzDocExperte Personenversicherungen und Unternehmensberater im Bereich Versicherungen, Vertriebe und Makler mit langjähriger Erfahrung als Führungskraft und Vorstand bei deutschen Versicherern und twittert als @AssekuranzDoc. Besuchen Sie auch seine Webseite und werden Sie Fan von Dr. Schmidt auf Facebook.