Studie von PwC und Universität Halle-Wittenberg: Versicherer entwickeln sich zu Vorbildern in Sachen Compliance

Versicherer bauen Compliance aus und decken mehr Verstöße auf / Verbesserungsbedarf bei Korruptionsbekämpfung und Mitarbeiterführung

PRESSEMITTEILUNG – Frankfurt, 19. Februar 2015: Die Versicherungsbranche hat sich in den vergangenen Jahren zum Vorreiter in Sachen Compliance gemausert. So sind Compliance-Management-Systeme in der Versicherungsbranche sehr viel weiter verbreitet als in der Gesamtwirtschaft. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Sonderauswertung zu Wirtschaftskriminalität und Compliance in der Versicherungsbranche im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC sowie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, durchgeführt von TNS Emnid.

Der Umfrage zufolge haben mittlerweile über 90 % der Versicherer ein Compliance-Management-System eingerichtet, nach nur 48 % gemäß der letzten Befragung im Jahr 2011. Dies liegt deutlich über dem Durchschnitt aller im Rahmen unserer branchenübergreifenden Studie im Jahr 2013 befragten Unternehmen, bei der 74 % aller Unternehmen angegeben haben, über ein solches System zu verfügen.

Alexander Hofmann, Leiter des Bereichs Versicherungen bei PwC, kommentiert: „Die Erfolge der strengeren Compliance lassen nicht auf sich warten. Die Wirtschaftskriminalität befindet sich in der Versicherungsbranche seit 2007 insgesamt im Rückgang. Zuletzt jedoch ist die Zahl der bekannt gewordenen Verstöße in einigen Segmenten gestiegen – so berichten Versicherer deutlich häufiger über Fälle von Geldwäsche, jedes vierte Unternehmen war hiervon betroffen. Wir führen dies aber auf die besseren Kontrollen zurück, die infolge des Gesetzes über das Aufspüren von Gewinnen aus schweren Straftaten, dem Geldwäschegesetz, eingeführt oder weiter verfeinert wurden. Dadurch werden mehr Vorfälle aufgedeckt, bevor sich die präventive Wirkung eines Compliance-Management-Systems überhaupt zeigen kann.“

Handlungsbedarf besteht allerdings im Bereich der wettbewerbswidrigen Absprachen. Wie die Umfrage zeigt, sind spezielle kartellrechtliche Compliance-Programme auch bei Versicherern kaum verbreitet. Nur 30 % aller Befragten verfügen hierüber, obwohl das Bundeskartellamt im Jahr 2005 wegen Kartellabsprachen hohe Bußgelder gegen Industrieversicherer verhängt hatte. Auch schätzt jeder vierte Versicherer den Umsatzanteil, der auf wettbewerbswidrigen Absprachen beruht, in der eigenen Branche auf 10 bis 19%. „Das Dunkelfeld dürfte jedoch erheblich größer sein, da die Compliance-Management-Systeme in der Versicherungswirtschaft die kartellrechtlichen Aspekte noch nicht im ausreichenden Maße abdecken“, sagte Gunter Lescher, Partner für Forensic Services bei PwC.

Besser aufgestellt ist die Versicherungsbranche bei der Bekämpfung von Korruption. Knapp zwei Drittel der Befragten haben als Teil der Compliance ein Antikorruptionsprogramm eingeführt. Die Erfolge zeigen sich in einem kontinuierlichen Rückgang von Korruptionsdelikten. Gleichwohl ist auch hier von einem weiterhin hohen Dunkelfeld auszugehen. So berichteten 16 % der Versicherer über einen Verdachtsfall – ein Wert, der dem branchenübergreifenden Durchschnitt entspricht. Auch meinten 21 % der Versicherer, dass sie infolge von Korruption eines Wettbewerbers eine Geschäftsmöglichkeit verloren haben; damit liegt die Versicherungsbranche nur unwesentlich unter dem branchenübergreifenden Durchschnitt (26 %).

Überdies dominieren im Bereich Wirtschaftskriminalität weiterhin Fälle von Vermögensdelikten. Auch die hiermit einhergehenden Reputationsschäden, die gerade die Versicherungsbranche besonders empfindlich treffen, haben seit der letzten Befragung 2011 erheblich zugenommen. Deutlich häufiger als die Unternehmen aller Branchen berichteten die Versicherer zudem über den Diebstahl vertraulicher Kunden- und Unternehmensdaten. Sie verzeichnen zudem einen signifikanten Anstieg der bekannt gewordenen Fälle im Bereich der Geldwäsche. „Um diesen Gefahren vorzubeugen, müssen die Unternehmen ihre Compliance-Management-Systeme insbesondere auch auf diese spezifischen Risiken gezielt ausrichten. Die Versicherungsbranche hat bereits erkannt, dass Hinweisgebersysteme ein hoch effektives Instrument zur Aufdeckung von Delikten sind. Doch damit diese richtig greifen, empfiehlt es sich, sie nicht nur für die eigenen Mitarbeiter, sondern auch für Geschäftspartner und Kunden zu öffnen“, sagt Gunter Lescher von PwC.

Nicht zuletzt hat die Studie ergeben, dass nun, da viele Versicherungsunternehmen ihre Compliance-Organisation aufgebaut haben, die Qualität der gewählten Lösungen auf dem Prüfstand steht. Der Prüfungsstandard 980 des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) ist daher mittlerweile jedem zweiten Versicherer bekannt und jedes dritte hat seine Compliance bereits von unabhängigen Prüfern beurteilen lassen. Hintergrund hierfür ist der vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) überarbeitete Verhaltenskodex, der nun eine Prüfung der Angemessenheit oder Wirksamkeit des Compliance-Management-Systems für den Teilbereich Vertrieb durch einen Wirtschaftsprüfer vorsieht.

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