Sprechstunde beim @AssekuranzDoc: Chancen und Risiken mit Pensionären

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Die Alarmleuchten stehen auf „rot“. Immer mehr Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes gehen in Pension oder Rente. Deren Arbeit kann kaum noch durch die „Hinterbliebenen“ aufgefangen werden. Die Wirtschaft sorgt sich um die Zukunftsfähigkeit des öffentlichen Dienstes. Das ist Anlass sich hier einige Gedanken auch aus Versicherungssicht zu machen.

Ein Blick auf die Fakten: Vor einiger Zeit prognostizierte der DGB für 2027 bei Beibehaltung der bisherigen Anzahl der jährlichen Auszubildendenplätze ein reales Defizit von rund 700.000 Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Wohlgemerkt, wir reden dann vom Abschied des Jahrgangs 1962(!) aus der aktiven Beschäftigung. Würde man sich bei der anstehenden Verpensionierungswelle von den Meistern der Bürokratie aus der Radio-Comedyserie Baumann & Claussen leiten lassen, dann würde man vielleicht nur mit den Schultern zucken und sich das obligatorische „Käffchen“ holen. Aber der Fall liegt ernster, die Folgen kommen auf uns alle als Bürger zu.

Die Konsequenzen aus dieser absehbaren und realistischen Entwicklung sind steigende Leistungsanforderungen an die Beschäftigten im öffentlichen Sektor, die dann die Arbeit der Kollegen im Ruhestand mitmachen müssen. Bereits jetzt sind reduziere Erreichbarkeiten im öffentlichen Dienst kein Geheimnis mehr. Wer in jüngster Zeit einmal versucht hat wegen einer Baugenehmigung oder der Erstellungen einer Bescheinigung die zuständigen Mitarbeiter telefonisch zu erreichen, der weiß von was ich hier schreibe.

Das Funktionieren des Staates gerät in Gefahr

Die Arbeitsbedingungen im öffentlichen Bereich verschlechtern sich unter diesem Druck der Pensionierungen enorm. Dazu gehören nicht nur die Überstundenberge bei der Polizei oder Feuerwehr. So bringen beispielsweise auch „überalterte“ Lehrerbelegschaften in der Folge des Ausscheidens von Kollegen höhere Krankenstände und damit Ausfallstunden für unsere Kinder mit sich. Ganz davon einmal abgesehen, dass es zweifellos auch gut wäre, wenn in den Schulen mehr Lehrkräfte jüngeren Alters in eine moderne und ausgewogene Ausbildung der Kinder einbezogen wären.

Ähnlich „angegraut“ zeigen sich auch die öffentlichen Verwaltungen in den Städten und Kommunen. In Berlin hat sich die Gruppe der über 60-Jährigen beispielsweise in den letzten sieben Jahren um mehr als 60 Prozent erhöht. Von über 111.000 Beamten und Angestellten im sogenannten ÖD sind nur ganze 4.850 Beschäftigte jünger als 30 Jahre, stellte ein Bericht der Senatsfinanzverwaltung an den Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses laut Angaben von „Die Welt“ (Die Welt Kompakt, 6.8.2014, S. 15) fest. Dementsprechend sorgt sich die Wirtschaft um den Fachkräftemangel für eine kompetente und effiziente Verwaltung der Metropole.

Immer mehr Pensionäre sind eine starke Herausforderung

Neben den Belastungen der Pensionierungen für das gesellschaftliche Miteinander sowie die öffentlichen Haushalte sei hier auch ein Blick auf die Wirkungen auf die Versicherungswirtschaft gelenkt. Der Abschied von vielen Kunden aus dem aktiven Berufsleben wird tendenziell das steigende Durchschnittsalter der Kunden erhöhen und auch zu sinkenden Kundenbeständen bei Versicherern und Vermittlern führen.

Bereits vor 10 Jahren prognostizierte eine Untersuchung des GDV für das Jahr 2020 ein Verhältnis der mindestens 65-Jährigen zu den 20- bis 64-Jährigen von ca. 40 Prozent. Dieser Faktor soll sich bis 2050 auf über 60 Prozent erhöhen. Für die Versicherungswirtschaft insgesamt ergeben sich daraus immanente Herausforderungen aus der Änderung der ökonomischen Rahmenbedingungen, der Veränderung in der Struktur der Kunden, deren Bedürfnissen und der aktuarischen Bewältigung der immer älter werdenden deutschen Bevölkerung.

Doch es gibt auch rosige Streifen im grauen Bild. Sowohl für Versicherer als auch Vermittler entwickelt sich aber ein interessantes neues Kundenklientel – die Gruppe der „Pensionäre“ mit einem ganz speziellen Profil und ihren besonderen Bedürfnissen.

Die Kundengruppen der ehemalig im öffentlichen Dienst Beschäftigten ist bei allen Unterschieden zwischen ehemaligen Angestellten und Beamten insgesamt sehr attraktiv. Häufig überdurchschnittliche Einkommen in der Beschäftigungsphase wirken sich auf die Einkünfte im Alter und auch auf die Wünsche und Ziele im Pensionsalter aus.

Die zu Ende gehende Vorsorgephase für das Alter fordert die Vermittler und Kunden geradezu zur Neuordnung auf. Ausgezahlte Lebensversicherungen und Sparpläne stehen zur Neuanlage oder Umwidmung an. Fonds- und Aktienpakete bedürfen der Auflösung oder Neuordnung. Zahlreiche Versicherungen können oder müssen zum Beispiel durch die Änderung des Beihilfesatzes bei Beamten umgestellt werden. Einige Sachversicherungen können auf Seniorentarife angepasst werden. Dabei kann durchaus auch Geld gespart werden.

Die besonderen Bedürfnisse der Pensionäre machen aber auch neue Absicherungen notwendig. Verbesserter Unfallschutz, Vorsorgeprodukte für den Schutz des Erbes, bedarfsgerechte Assistanceleistungen, Produkte mit mehr Leistungen für Risiken bei Reisen oder längeren Auslandsaufenthalten oder Patienten- und Betreuungsverfügungen sind nur einige Stichpunkte. Nicht zu vergessen, dass es für viele dieser Kunden jetzt Zeit wird, das Thema Versorgung im Pflegefall endlich anzugehen. Im Alter um die 65 geht das meist noch. Danach ist es aber oft zu spät.

Fazit:

Die Auswirkungen der Demografie bergen Risiken und Chancen in sich. Die notwendigen Konzepte zur Sicherung der Dienstleistungen im öffentlichen Dienst bei einer veränderten Altersstruktur muss die Politik zügig entwickeln und umsetzen. Dienstleister aus Handel, Versicherungen und Banken können und sollten die Bedürfnisse der „Silver Ager“ aktiver als bisher angehen. Der Bedarf der heutigen Pensionärsgeneration ist nicht mehr mit der früherer Zeiten vergleichbar. Die dritte Lebensphase ist von Vitalität, Gesundheitsbewusstsein und aktiver Lebensgestaltung geprägt. Und dabei lassen sich Pensionäre gerne professionell unterstützen.

 


Dr. Peter Schmidt Peter_Schmidt_Portrait Experte Personenversicherungen und Unternehmensberater im Bereich Versicherungen, Vertriebe und Makler mit langjähriger Erfahrung als Führungskraft und Vorstand bei deutschen Versicherern und twittert als „assekuranzdoc“. Besuchen Sie auch seine Webseite und werden Sie Fan von Dr. Schmidt auf Facebook.

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