Sprechstunde beim@AssekuranzDoc: Zwanzig oder dreißig Kerzen für die Pflege?

Ist es erst zwanzig Jahre her? Oder wird sie jetzt schon 30? Die Pflegeversicherung in Deutschland kann scheinbar in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen feiern. Die damalige Bundesaufsicht für das Versicherungswesen verabschiedete im Spätherbst 1984 die Musterbedingungen zur privaten Pflegeversicherung. Zehn Jahre später folgte dann die Soziale Pflegeversicherung (SPV).

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Doch der Reihe nach.

Vor dreißig Jahren war für viele Menschen die Welt noch intakt. Helmut Kohl war Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. An eine bevorstehende „Wende“ oder Wiedervereinigung glaubten nur wenige.

In Kohls Regierung war Norbert Blüm von Amtswegen als Minister für Arbeit und Sozialordnung medienwirksam tätig. Doch nicht nur in der Frage der „sicheren Rente“ sollte er sich irren. O-Ton aus einem Referat von Blüm aus dem Jahr 1984: „Eine gesetzliche Pflegeversicherung für den Pflegefall kommt nicht in Betracht“. Halten wir ihm zugute, dass dieses Referat dann nur durch seinen Staatssekretär gehalten wurde.

Die heraufziehende Abenddämmerung des demografischen Niedergangs in Deutschland und der damit verbundenen Probleme sollte erst 1995 aufgegriffen und per Gesetz zu einer zusätzlichen gesetzlichen Pflege-grundversorgung gestaltet werden.

Wieder einmal war es die private Versicherungswirtschaft die sich den realen Bedürfnissen der Menschen nach Vorsorge im Alter und im Fall der Pflege früher als der Gesetzgeber annahmen. Als „Pflege-Pionier“ profilierte sich 1984 die Hallesche Krankenversicherung mit ihrem Entwurf zu einer Pflegeversicherung.

Norbert Blüm, der Eisberg und die Gegner der Pflegeversicherung

Als der PKV-Verband mit der Ausarbeitung der Musterbedingungen zur Pflegeversicherung (MB/PV) begann, wetterten Kassenvertreter noch gegen eine versicherungsrechtliche Absicherung des Pflegerisikos. Man wollte die Risiken mit den vorhandenen Strukturen sowie Steuermitteln auffangen.

Norbert Blüm kritisierte selbst 2011 noch massiv eine zusätzliche kapitalgedeckte Pflegezusatzversicherung: „Ich warne davor, die Rettung in der Kapitaldeckung zu suchen. Wer das vorschlägt, muss die letzten fünf Jahre in Alaska auf einem Eisberg gelebt und nichts mitbekommen haben.“

Die Musterbedingungen für private Pflegezusatztarife wurden dennoch der Startschuss für viele Versicherer, mit eigenen Lösungen auf den Markt zu gehen und zahlreiche Kunden für die freiwillige Absicherung der Kosten für den Pflegefall zu gewinnen. Nach knapp zehn Jahren der privaten Pflege- Pflichtversicherung waren immerhin schon über 300.000 Menschen versichert.

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Und nicht zu vergessen, dass 1984 mit den Musterbedingungen Pflege auch schon die Fundamente für die steuerlich geförderte private Pflegezusatzversicherung, für „Pflege-Bahr“, gelegt wurden.

Das Tauziehen der politischen Kräfte um die gesetzliche Pflegepflicht-versicherung dauerte Jahre. Besonders die Auseinandersetzungen um die kapitalgedeckte Absicherung oder die Einbeziehung aller Bürger in eine umlagenfinanzierte Absicherung erhitzte die Gemüter. Letztlich gab es wie auch bei der „Riester-Rente“ wieder einen Kompromiss. 1994 fiel die Entscheidung für einen Wettbewerb der Systeme zwischen Privat und Gesetzlich auch im Bereich der Pflegeversicherungen.

Gesetzliche Pflegepflichtversicherung startete 1995

So kam es zu einem Nebeneinander von Privater Pflegepflichtversicherung (PPV) und Sozialer Pflegepflichtversicherung (SPV). In der SPV sind heute rund 70 Millionen Menschen versichert.

Nach den letzten Zahlen des PKV-Verbandes waren Ende 2013 ca. 9,5 Mio. Deutsche in der PPV versichert. Eine Pflegezusatzversicherung haben 2,3 Millionen und nach dem ersten Jahr „Pflege-Bahr“ nutzen 350.000 Menschen die geförderte Pflegezusatzversicherung. Inzwischen geht die Anzahl der staatliche geförderten Pflegeversicherungen mit täglich fast 1.000 Neuabschlüssen auf eine Million Versicherte zu.

Der Dreiklang der privaten Pflegeversicherungen überzeugt auch in seiner Beitragsentwicklung von den Stärken eines kapitalgedeckten und damit generationengerechteren System ohne die Risiken des Umlageverfahrens.

Hospiz

In einem Artikel von Dr. Volker Leienbach und Andreas Besche vom PKV-Verband heißt es zu den Gefahren des Umlageverfahrens: „Das Umlage-verfahren muss im demografischen Wandel mehr denn je infrage gestellt werden… Die Pläne zum Aufbau eines „Pflegevorsorgefonds“ spiegeln zwar die richtige Erkenntnis, dass die Umlagefinanzierung der Pflege-versicherung nicht zukunftsfest ist, sodass mehr finanzielle Vorsorge der heute aktiven Jahrgänge nötig ist.“ (30 Jahre Pflegeversicherung, Sonderdruck Versicherungswirtschaft, 05.2014, Seite 7)

Private Pflegeabsicherung fördert Innovationen zum Pflegethema

In der 30jährigen Geschichte der privaten Pflegeversicherungen hat es immer wieder Impulse zu noch mehr Qualität in den Leistungen der Policen aber auch für die konkrete Pflege vor Ort gegeben.

Der Wettbewerb zwischen den Anbietern privater Pflegezusatzversicherungen hat sich positiv auf die Gesamtheit der Angebote vom Markt ausgewirkt. Beispielhaft sind die Einbeziehung von notwendigen Leistungen bei Demenz, auch ohne Erreichen einer Pflegestufe beim Kunden, die Idee der Beitragsfeistellung im Pflegefall oder auch der Möglichkeit der Beitrags-Stabilisierung ab dem 65. Lebensjahr zu nennen.

Bei der Hilfe und Unterstützung für Pflegefälle vor Ort folgt die PKV immer einem bundeseinheitlichen Denkansatz für Pflegeberatung, Begutachtung von Pflegefällen oder auch der Pflegeversorgung. Die „Compass Private Pflegeberatung“ oder auch der „Pflege-TÜV“ sind Beispiele, die jeweils über den Verband umgesetzt wurden und den privat Pflegeversicherten als Service aller PKV-Unternehmen zur Verfügung stehen.

Es gibt aber auch innovative Impulse einzelner Versicherer wie aktuell der Würzburger Versicherungs AG mit dem gemeinsam mit der TUTUS AG sowie WDS.care entwickelten Pflegeschutzbrief24. TUTUS-Vorstand Karsten Junghans beschrieb die Brancheninnovation gegenüber dem „Versicherungsbote“  so „Versichert ist hier nicht eine Einzelperson, es können Partner, Kinder, Eltern und sogar die Schwiegereltern einge-schlossen werden. Der Versicherungsnehmer erhält vielfältige Assistance-leistungen bei einem Pflegefall im versicherten Personenkreis die ihm und seinen Angehörigen helfen, die Pflege des Betroffenen professionell einzurichten.“

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Fazit:

Was ist dem 30-jährigen Geburtstagskind private Pflegeversicherung zu wünschen? Möge der inzwischen aufgebaute Kapitalstock für die privaten Pflegeversicherung sicher vor politischen Gelüsten sein und als privatrechtlich garantierte und damit generationengerechte Versorgung seinen Versicherten zur Verfügung stehen.

Und den Versicherern sei noch mehr Tatendrang dabei zu wünschen, das Thema Pflege stärker in die bestehenden Produkte einbinden, denn die „Welle“ der Pflegefälle inmitten unserer Gesellschaft steht uns noch bevor.

 


Dr. Peter Schmidt Peter_Schmidt_Portrait Experte Personenversicherungen und Unternehmensberater im Bereich Versicherungen, Vertriebe und Makler mit langjähriger Erfahrung als Führungskraft und Vorstand bei deutschen Versicherern und twittert als „assekuranzdoc“. Besuchen Sie auch seine Webseite und werden Sie Fan von Dr. Schmidt auf Facebook.

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