Hintergründe zur Heidelberger Leben

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Hintergründe zur Heidelberger Leben

Eine Analyse vom Markus Rieksmeier

Teil I. Das System MLP

Teil II. 80 Promille? (folgt)

Die Heidelberger Leben (HL) hat eine wechselvolle Geschichte. Im aktuell letzten Akt wurde das Unternehmen von der angeschlagenen britischen Lloyds Bank für 300 Millionen Euro an den Finanzinvestor Cinven, mit Sitz auf der steuergünstigen Kanal-Insel Guernsey, und die Hannover Rück verkauft. In einer Pressemitteilung der HL heißt es blumig „Heidelberger Leben verfolgt Wachstumsstrategie mit neuen Eigentümern“. Mit dem letzten Eigentümer hatte es nämlich nicht so geklappt. Dafür mit dem vorletzten: MLP.

Ohne auf die aktuellen Geschehnisse einzugehen (dazu später eine Zusammenfassung): Nachdem das Unternehmen im Jahr 2005 von MLP verkauft wurde, fehlte der HL schlicht der Zulieferer für Neugeschäft. Zwar wurde die Zusammenarbeit mit MLP, wie betont, fortgesetzt. Aber (nicht vergessen!) am 1. Januar 2005, im Verkaufsjahr, trat das Alterseinkünfte-Gesetz in Kraft. MLP wie auch andere Vertriebe hatten im Jahr 2004 in einem bis dahin unerreichten „Schlussverkauf“ ihre „Pipeline“ komplett gelehrt und auf Teufel komm raus Leben verklappt.

Im schlechtesten Jahr verkauft – bestens für MLP

Im Januar 2005 war die „Pipeline“ leer. Nach dem gefühlten „Verbot“, genauer der neu eingeführten Steuerpflicht auf Lebensversicherungs-Erträge suchte nicht nur MLP nach neuen Geschäftsmodellen für Leben. Vergeblich. Außerdem verbreiterte MLP – wieder „echter Makler“ ohne eigenen Lebensversicherer – sein Angebotsportfolio an Lebensversicherungen. Dadurch mussten oder wollten die Berater mehr LV-Unternehmen bedienen und dadurch sank die Zuführungsquote an die HL. Diesen fehlenden Neuzugang musste die HL ausgleichen, was ihr nicht gelang.

Eine Zeitlang noch haben die MLP-Berater „private“ BU-Policen auf Rürup-Renten „umgerubelt“, aber dann erlosch der Neuzugang zusehends.

Kapitalsammelbecken

Auch Versuche der HL in den Folgejahren, andere Vertriebspartner zu gewinnen, scheiterten – selbst nachdem die HL neue, kostenreduzierte Tarife auf den Markt brachte. Kostenreduziert? Ja. Und hier wird es für HL-Bestandskunden interessant. Vor der Einführung kostenreduzierter Tarife gab es unter MLP-Ägide nämlich umgekehrt kostenerhöhte Tarife. MLP nutzte seine „MLP-Lebensversicherung“, als die die HL im Jahr 1991 gegründet wurde, nämlich nicht als Versicherer und Risikoträger im klassischen Sonne, sondern als Kapitalsammelbecken – genauer als Eigen-Kapitalsammelbecken – nicht im bilanziellen Sinne, aber im monetären Sinne gemeint.

Kaum ein MLP-Kunde ging seit 1991 ohne einen Abschluss bei der HL (damals MLP-Leben) aus dem Beratungsgespräch mit dem MLP-Berater. Die HL (wir nennen die MLP-Leben im Folgenden so, wie sie heute heißt) war fester Bestandteil des MLP-Baustein-Konzeptes. Dieses bestand I. aus einem ersten Baustein für die BU-Rente (grob gesagt: je nach Risiko 100 Euro im Monat), II. aus einem ersten Kapital-Baustein mit der Standard Life (+ 100 Euro) und III. einem zweiten Kapital-Baustein (+ 100 Euro) bei der HL. Dieser Start-Aufwand des Kunden wuchs ab dem zweiten Jahr (IV.) von 300 auf 400 Euro, wenn vierte Kapitalbaustein (100 Euro) dazu kam.

Umgerubelt

Ab 2005, nach Einführung der Rürup-Rente, haben viele Berater (nicht nur bei MLP) die bestehende „private“ BU-Rente der Kunden auf Rürup-Renten umgerubelt. Dadurch stieg deren Beitrag (gesetzlich bedingt) um 100 Prozent. Hierfür wurden dann des Öfteren mangels Masse andere Kapitalbausteine beitragsfrei gestellt – zum Nachteil des Kunden.

Eine Beitragsfreistellung, auch die FAZ verwechselt das zuweilen, ist nämlich nichts anderes als  eine Kündigung, bei der der Rückkaufswert als Einmalbeitrag auf die ehemals vorgesehene Laufzeit umgelegt wird: die Beitragsfreie Versicherungssumme. Dies nur am Rande. Wichtiger ist, dass eine eventuelle BU-Leistung bei Rürup höher besteuert wird. Durch das Umrubeln sank also der Netto-Versicherungsschutz.

Ärzte starteten billiger

Das oben beschriebene war das Standard-Modell, das je nach Einkommen des Kunden im Beitrag größere oder kleinere Bausteine umfasste. Bei Ärzten, zumal Praxisgründern, wurde das Ganze oft mit ermäßigten Anfangsbeiträgen kombiniert – zu hohen Preisen (pardon: Kosten. Bei Finanzgeschäften gibt es keine Preise  – nur Kosten und daraus Renditen). Auch bei ermäßigten Anfangsbeiträgen erhielten MLP und damit der Berater die volle Provision „front up“. Ein Zahlenbeispiel: Startete der junge Arzt mit 100 Euro ermäßigtem Monatsbeitrag, der in den vier Folgejahren stufenweise auf 500 Euro (Zielbeitrag) steigen sollte, wurde sofort die volle Provision auf Basis der geplanten Beitragssumme – zum Beispiel bis 65 – fällig: vorab, front up!

100 Euro Beitrag, aber für (knapp) 500 Euro die Provision. Das hatte Gründe, nein nicht nur der Provision wegen! Zu Zeiten des LV-Schlussverkauf im Jahr 2004 waren solche „unechten“ 500 Euro-Policen mit 100 Euro Startbeitrag auch für die Folgejahre über 2005 hinaus bezüglich ihrer Kapitalerträge steuerfrei, weil es sich bei dem ermäßigten Anfangsbeitrag juristisch um eine „Stundung“ handelt.

80 Promille?

(Fortsetzung folgt in Teil II.)