Deutsche zwischen Garantie und Gier?

Die Deutschen – zwischen Gier und Garantie

Der deutsche Michel ist des Themas Altersvorsorge scheinbar müde. Die klassische private Altersversorgung scheint zwischen angeblich provisonsgierigen Vermittlern und schwächelndem Kapitalmarkt unterzugehen. Die ehemaligen „Volksaktionäre“ von Telekom und Co. sind ein Leben lang weg vom Thema Aktien. Und nun wandeln sich auch noch der Deutschen liebste Vorsorgeprodukte, die Lebens- und Rentenversicherungen.

Bekommen neue Produkte mit „schmalen Garantien“ eine Chance?

Ganz ohne Garantien geht es in der Altersvorsorge wohl nicht. Aber mit garantierten Renditen über dem garantierten Rechnungszins der „klassischen“ Produkte geht es aus Kapitalmarkt- und Kostensicht auch nicht weiter. Deshalb versuchen derzeit Allianz und Ergo Leben andere, zeitgemäße Modelle: Garantie für ein bestimmtes Level des eingezahlten Geldes plus chancen-orientierten Leistungen bei Ablauf.

In der Anlagekonzeption gehen die Anbieter unterschiedliche Wege. Festverzinste Wertpapiere, Staatsanleihen, Indexfonds oder eigene Fondskonzepte gehören dazu. In jedem Fall wird eine Perspektive für die Rendite aufgezeigt, die im besten Fall der Kapitalmarkt-Entwicklung über den bisherigen Garantiezinsen liegt. Garantieren kann und will diese höheren Zinsen allerdings keiner mehr.

Bleibt die plausible Erklärung dieser neuen Produkte durch die Vermittler – und die wird schwierig: Kunden und Vermittler wüssten schon ganz gern, wie das genau gehen soll und was dabei herauskommt. Aber da hakt es doch gewaltig. Die Kapitalanlage-Strategien sind entweder „geheim“ oder so kompliziert, dass selbst Spezialisten Schwierigkeiten beim Erklären haben. Sollen sich Vermittler um solche Antworten drücken, weil das „Wie?“ der Kapitalanlage auch bei klassischen Produkten meist auch keinen Kunden interessiert hat?

Das realistische Zinsniveau in 20, 30 oder 40 Jahren kann heute keiner voraussagen. Bleibt es beim Zinstief a la Nippon, dann haben wir noch Jahrzehnte mit Zinsflaute. Oder greifen doch die Kapitalmarktmechanismen a la „Ei“ von Kostolany? Also mehr Rendite aus dem Wechselspiel von Kauf, Halten und Verkaufen. Für die Kunden gilt es darauf zu vertrauen, dass die moderne Anlagewelt dem Wunsch nach mehr Rendite und Sicherheit besser Rechnung trägt als die alte „Klassik-Welt.“

Kaum auf dem Markt und schon durch Kritiker zerrissen

Die neuen Produkte von Ergo, Allianz & Co. waren kaum vorgestellt, schon hagelt es die „übliche Kritik“ von Verbraucherschützern. Selbige hatten bekanntlich noch vor der großen Finanzkrise unter anderem Briefmarken oder die isländische Kaupthing-Bank als werthaltige Vorsorgeformen empfohlen. Diesmal nun soll man statt der neuen Produkte das Geld lieber unters Kopfkissen legen, dann wäre es am Morgen danach ja noch da. Garantiert.

Neu ist, dass man „die Kritik an den Kritikern“ seit einigen Tagen höchst sensibel selbst zum Thema macht. Sorry, aber ist es denn nicht richtig, von Beschützern der Verbraucher fundierte Vorschläge zum WIE der Altersversorgung zu erwarten? Anstatt nur zu sagen DIES und JENES, GEHT NICHT oder im Zweifel ALLES in Bausch und Bogen zu verdammen?

Statt dessen Fehlanzeige. Für den Kunden verständliche Vergleiche zwischen den angebotenen neuen Garantie-Modellen der verschiedenen Anbietern vorzulegen oder transparente Vergleiche von Kosten und Ergebnissen zu offerieren – das wäre doch von kompetentem Verbraucherschutz zu erwarten, oder?

Apropos nachvollziehbare Vergleiche. Mark Ortmann, Geschäftsführer des ITA, schrieb dazu vor einiger Zeit zu einem damals neuen Garantieprodukt: „Perfekt wäre es, wenn zumindest die Annahmen für die Simulationen (von Garantieprodukten) beschrieben wären, damit Anleger und Vermittler die Plausibilität der Ergebnisse nachvollziehen können. So ist zum Beispiel nicht klar, welche Kosten in die Simulationen eingeflossen sind, ins-besondere ob die Kapitalanlagekosten berücksichtigt wurden“. Genau dies würde verallgemeinert Vermittlern und Kunden wahrlich helfen.

Fazit:

Alternative Modelle wie die neuen Altersvorsorge-Tarife ohne Garantiezins fordern von Kunden risikostärkere Entscheidungen, wenn das Ersparte nicht im Wind der Inflation zerbröseln soll. Aus der Gesamtsituation beim Kunden aus Wünschen und Zielen, Möglichkeiten und der individuellen Risikosituation ist zu entscheiden, ob eine Altersvorsorge ohne Garantie-Zinsen mehr Vorteile für Rendite und Inflationsschutz als Risikofaktoren birgt. Bisherige Klassikprodukte werden zukünftig in der Gesamtrendite eher unter der Inflationsrate liegen, so dass die neuen Produkte unbedingt eine Chance beim Kunden neben anderen Anlagekonzepten verdient haben. Mehr Rendite statt eingesparte faule Garantiezinsen kann dabei ein guter Weg sein. Und für platte Polemik gegen zeitgemäße Konzepte ist da einfach kein Platz.


 

Dr. Peter Schmidt

Unternehmensberater im Bereich Versicherungen mit langjähriger Erfahrung als  Führungskraft und Vorstand im Bereich Personenversicherung/Maklervertrieb bei deutschen  Versicherern und twittert als „@Assekuranzdoc“